ziitlift

Poetry Slam

Abig spat, de Pastelgrüeni Drahtesel im Veloruum abgstellt, Türe ufgmacht, stah i dem blausterile ihgansbereich vo dem kubische Neubau, druck ufd Taste, wart gfühlt e Ewigkeit bis endlich de scheiss Lift chunnt, ding dong, stig ich i die Kabine, lueg i de völlig überdimensional Spiegel ghei völlig gschlisse fast i de ine und denk mir, drin scho – Eigentlich gar nüt. Nur mini übermüedete, chliine, brune auge, vo dem Neonliecht eher scho schwarz wie Pupille, wie sie i die gliiche, übermüedete, vom Neonliecht eher scho schwarzbruune Auge inegheiet und versinked.

Erste Stock. Und als ob die einzelne, wirre Strukture vo mine Iris es Wurmloch wäred, null erklärend, gheiet mini Gedanke alli i genau das ine. Sie sind eifach weg. Und ich, für en Augeblick, vollkomme leer.

Zweite Stock. Bämm; alli sinds zrugg, als hetteds i dem Ruum-Ziit Strudel no Nachwuchs becho, sie rased und rased um Platz i dem Chopf. Noah dies, Noah das, de fit tuet dir echt nöd so guet stah, hesch de Pickel gester gha, was luegsch dich selber so dumm ah? Was hesch kei blaui Auge, chämmtsch bi fraue besser ah; und dini Gheimratsecke brüeder s FBI chunnt nümme nah.

I mir fangts ah bebe, und wird hässig uf mich selber, wüetig und truurig, en halbstarche Halbchines (im Lift) wo sichs lebe grad chrum nimmt, sich nöd cha verstah, bi dere kongruente Ussicht.

Dritte Stock. D Blick vo mim gegenüber so intensiv, ich halts nümm us ich mues- tüüfer ine- nei doch Abstand neh, langsam gseh- ich usser de Mattbruune Auge und em füürrote Pickel uf de Backe ganz klar meh! Nümm nur hellgelbi zäh, sondern es herzigs lache, au de überlangi Schmalchopf, irgendwie passt er, zwar rast er immer no, wür niemals dur das Raster inecho, doch moll mir gfallt er no. Es komisches Gfühlschaos; isch das schön oder hässlich, söll ich mich küsse, oder schlah?

Luege gspannt uf mini Lippe im Spiegel, chume fast scho dra, au d Fust i minere Hand hebt sich, wür gern voll drigah.

Vierter Stock, schrecke zrugg-seg mal, bisch eigentlich verruckt?

Ich step en Schritt hindere-Emotione mindere-fast het mini Zunge das vo Finger vrschmierte Glas abgschleckt, und mini Eigene ebe das i tuusig parts vertätscht. Mini Stirn runzlet, d Falte, s typische WLAN-Zeiche. Scho krass, was es Ghirn für e download-Gschwindigkeit het. -So viel Gegesätz vereint, nachenand und irgendwie gliichziitig, ziitig, ziit. Temps, tiempo, Tempoo- ich chennt echt grad es Nastuech bruuche- wieso isch sie so Un-fassbar?

Alles gaht mir ihre mit, doch nüt holt sie jemals ih. Sie isch allem geng vorus, doch trotzdem hinedi. Mir stelled sie vor, zrugg, chönd sie eus aber nöd vorstelle, wartet, erwartet, doch wennd eus nöd am Tod stelle. Sie schliicht, rennt, doch was isch ihres Ziel? Mir chönd sie stoppe, aber nöd ufhalte, bliibt sie stah, wür nüt me gah.

Ziit veränderet eim, doch bliibt selber immer gliich, für en Moment-nei gaht nöd uf- will e isch grad scho verbi.

So kontinuierlich diskret isch de Wandel, chlini Schritt gspürsch nöd, doch füegt sich das Ganze. Erscht grad bini doch i de Lift ihgstige, irgendwie aber au scho e Ewigkeit dine.

Ding; Füfte Stock. Mit eme schiebende Ton fahrt d Aluminium türe sich langsam ufd Siite; sfallt mer schwer, doch langsam schaffis, mich vo dem Spiegel zlöse, vo mir selber zlöse, was es komisches Erlebnis, us dere Distanz, so isch es erträglich.

Stepp us dem Metalghüs use, churz verfolgt mich mis Abbild, denn het sich d Türe gschlosse. Ich mues lächle: Ziit heilt all Wunde, Sekunde zu Stunde, ha mich i mir selber verlore, und doch wieder gfunde.